Ostern im Schnee
| Hamburg im Schnee zu Ostern |
Kennt ihr das, wenn ihr Pläne fürs Wochenende habt und euch Frau Holle einen Strich durch die Rechnung macht? Als Hamburgerin kann ich ein Lied davon singen. Im Dezember, als ich in absoluter Vorfreude auf Weihnachten war und mich auf Schnee gefreut hätte - 20 Grad Regen... Jetzt am ersten April Wochenende zu Ostern, wo ich schon meine Sommerklamotten anziehen wollte und mich auf eine schöne Zeit mit der Familie gefreut habe - 1 Grad Schnee.... Na herzlichen Dank Frau Holle, das hat wohl nicht ganz so geklappt und meine Pläne waren auch dahin.
Eigentlich war geplant, dass über das Wochenende meine Cousine mit ihrer Familie zu uns nach Hamburg kommen soll. Ihr Geburtstag, Überraschungsgeschenk für sie und sollte ein super duper Wochenende in Hamburg haben. Dass Sie in Hamburg mit Schnee erwartet wird, hatte sie wohl genauso wenig erwartet wie wir. Statt Hafenrundfahrt und City Tour im Cabriobus also Shoppen und Essen gehen. Ein Traum für alle Jetsetter, keine Frage...
Frau Holle hatte uns das Wochenende mächtig versaut. Ich gehöre ehrlich gesagt zu den Personen, die keinen 5 Meter Schrank haben und Saisonal den Schrank umrüsten. Das hatte ich Mitte März auch getan, nachdem innerhalb von einer Woche die Temperaturen von -15 auf +10 hochgegangen waren. Das es dann wieder so kalt wird, konnte ich auch nicht wissen. Also Problem Nummer zwei - was ziehe ich in die Stadt und zum Essen an.
Beim Shoppen ist man ja sportlich relativ stark aktiv - Anziehen, Ausziehen, Umziehen. Da ziehe ich mir sicherlich keine Strumpfhose unter die Jeans und den dicksten Winterpulli an. Option also war - Draußen frieren, Innen halbwegs ok. Also gesagt getan, einen Pulli für das Essen abends in der Handtasche, falls man nach einem anstrengenden Shoppingtag abends verschwitzt ist und sich zum Essen umziehen möchte und Jeans, Stiefel und ein Langarmshirt zum Shoppen. Schön dass ich erst unterwegs gemerkt habe, dass ich in den Schuhen weder laufen kann, noch trockene Füße habe. Aber gut - genau das, womit ich im April an Ostern im Frühling rechne.
In der Stadt angekommen, habe ich dann erstmal gemerkt, dass die Läden den Temperaturschwankungen ebenfalls nicht gewachsen sind. Draußen nass und kalt, innen schwül warm und stickig. Die Hoffnung erst gegen Nachmittag durchgeschwitzt zu sein, hat sich bereits in der ersten halben Stunde zu Nichte gemacht. Meine Hoffnung, dass an einem Osterwochenende die Leute etwas besseres zu tun haben, als Shoppen zu gehen und Klamotten zu kaufen, war eine absolute Fehleinschätzung. Die Stadt war so überfüllt, dass ich gefühlt abends jeden Spürhund auf eine falsche Fährte hätte jagen können. Ich wette ganz Hamburg war unterwegs und das obwohl Fußball auch noch lief.
Da meine Geduld nicht gerade die ausgeprägteste ist, haben wir nach einer halbe Stunde in der Schlange an der Ankleide anstehen entschieden, Anprobieren ist heute nicht. Also, raus aus dem Laden und überlegen, was wir in den nächsten Stunden bis zum Essen noch machen. Meine Cousine, eine sehr sportliche Persönlichkeit hatte den Wunsch in einen neu aufgemachten Flagstore zu gehen und weil ich ja eine gut erzogene Gastgeberin bin, hab ich gesagt, dass wir überall hingehen können, wo sie hin möchte. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass sie in einen Sportladen möchte, wäre das wohl nicht meine Aussage gewesen. Wir liefen also durch Schnee und kalt und nass zum Sportgeschäft und welche Überraschung - der Laden war leer. Kein Wunder, ich hätte mich ja hier auch nicht hinverirrt.
Nachdem wir Hosen, T-shirts und Jacken anprobiert hatten und sie mit Ihrer neuen Sportoutfitausbeute mehr als zufrieden war, vielen ihr die Schuhe ins Auge. Ich dachte ja wir wären jetzt wieder bei normal angekommen, aber das war ebenso eine Fehleinschätzung wie schönes Wetter an Ostern. In der Schuhabteilung angekommen, bemühte sich gleich eine Dame zu uns um uns zu beraten. Während meine Cousine aus dem Regal schon den ein oder anderen auserkoren hatte, stand ich etwas hilflos da. Das musste die Dame gemerkt haben, denn sie sah mich an und fragte: "möchten Sie auch welche anprobieren?" Ich wollte ja nicht unhöflich sein und sagte einfach, "Ja, sehr gern". Einer der größten Fehler an diesem Tag. Ich hatte den Satz noch nicht ausgesprochen, da standen schon zwei weitere Kolleginnen mit Messbrett, Abdruckschale und Socken Sortiment neben mir. Ich wurde zum Stuhl dirigiert und dann gings los:
Sie: Wofür brauchen Sie denn die Schuhe?
Ich: Ähhh, zum Laufen.
Sie: Nein, ich meine für die Freizeit oder zum ...
Ich: ... Freizeit!!!
Sie: Wo laufen Sie denn am meisten?
Ich: Zwischen Wohnung und Auto.
Sie: Und welchen Untergrund haben Sie da?
Ich: Zählen Treppen und eine Straße?
Sie: Ich glaube ich verstehe nicht was Sie meinen. Laufen sie mehr im Wald auf weichem Boden oder mehr aus Asphalt wie Straßen und Gehwegen?
Ich: Also im Wald bin ich eigentlich nie.
Sie: Ok und machen Sie eher große oder kleine Schritte?
Ich: Was genau definiert denn große und kleine Schritte - ich habe Schuhgröße 38.
Sie: Naja, schnelle Schritte beim Laufen sind eher kleine Schritte, sonst wäre es ja Joggen.
Ich: Ach so, nein. Joggen gehe ich nicht.
Sie: Laufen Sie eher innen auf dem Fuß oder Außen?
Ich: Ich verstehe die Frage nicht.
Sie: Zeigen Sie mir doch mal Ihre Schuhe. - Schaut sich meinen Schuh an - Ah ok Sie sind ein Außenfüßler.
Ich : Ich in ein was?
Sie: Sie haben mehr Druck auf dem Fuß auf der Außenseite.
Ich: Ah ok...
Sie: Wieviel laufen Sie durchschnittlich?
Ich: och je nach dem wo ich parke so zwischen 40 und 50.
Sie: Ui das ist aber ganz schön viel. 40 bis 50 Kilometer. Wie oft die Woche?
Ich: Äh ich meine Meter - also von der Wohnung zum Auto...
Sie mit verstörtem Blick: Ach so.
Ich: Also mir reicht eigentlich ein Schuh der gut aussieht und mit dem ich im Urlaub bei Sightseeing keine Käsefüße bekomme.
Sie: Auf ein gutes Fußbettmüssen Sie aber schon achten.
Ich: Kein Problem, meine Füße und ich schlafen in einem Bett
Schweigen.....
Meine Cousine erkannte die Not der Lage:
Schau mal, du machst doch auch Yoga, was hältst du von so einem weichen Schuh, der auch in der Wohnung beim Yoga zu tragen ist.
Sie: Ja, diese Schuhe sind bei Aerobicturnerin neben Schläppchen sehr beliebt.
An dieser Stelle konnte eigentlich nur einer weiter helfen - mein Freund. Retter in der Not und schließlich läuft er ja meistens mit mir. Also Handy in die Hand und anrufen...
An dieser Stelle konnte eigentlich nur einer weiter helfen - mein Freund. Retter in der Not und schließlich läuft er ja meistens mit mir. Also Handy in die Hand und anrufen...
Ich: Hey Schatz
Er: Na wie gehts, wo seid ihr gerade?
Ich: Im Sportgeschäft
Er: Habt ihr euch verlaufen?
Ich: Nein, wieso? Ich probiere gerade Sportschuh an und...
Er: Du machst was?
Ich: Ich probiere Sportschuhe an und brauche deine Hilfe.
Er: Wieso? Bist du von den Schnürsenkeln überfordert oder weißt du nicht in welcher Farbe du sie nehmen sollst?
Ich: Ha Ha... nein die Dame will wissen was ich für ein Laufverhalten habe und auf welchem Untergrund und wie viel ich in der Regel laufe.
Er: Keins - Straße und zu wenig - hilft ihr das weiter?
Ich: Du bist keine große Hilfe
Er: Du brauchst auch keine Sportschuh....
Ich: witzig
Er: Hast du jetzt noch eine ernst gemeinte Frage oder kann ich weiter Fußball schauen?
Ich: Dann halt nicht...
Beim Begriff Aerobic und Schläppchen war ich ohnehin schon raus. Auch wenn ihr Service wirklich hervorragend war und Sie beim Vermessen gemerkt hat, dass meine Füße unterschiedlich groß sind, ich ein "Außenfüßler" bin und einen schmalen Fuß habe mit unauffälligem Abrollverhalten, ein Sportschuh und ich haben wohl keine gemeinsame Zukunft.
Fazit - keine Sportschuhe für mich, aber dafür hat meine Cousine einen tollen Schuh gefunden. Fragt mich nicht was für einen - er war Türkis ...
Nachdem wir also nun einen erfolgreichen Shoppingtag für Sie hatten, hieß es weiter zum Essen. Wir wollten an der großen Elbstraße unten Essen gehen und mit der Fähre hinfahren. Nach zwei Rumkugeln und Prosecco zum Mittag, war die Fähre eine Herausforderung. Das heftige Schwanken ließ mich den weiteren Verzehr von Rumkugeln in Zukunft überdenken.... Aber ich hielt tapfer durch und so kamen wir auch pünktlich im Restaurant an. Die Karte war schnell studiert und da wir ja noch genug Grund zum Anstoßen hatten ging es feucht fröhlich mit Sekt und Wein weiter. Dazu ein Hummersüppchen mit Cognac, Muscheln in Weißweinsoße und Zitronensorbet in Prosecco... Meine Leber hätte ihrer Aktivität entsprechend heute die 50 Kilometer absolviert.
Zusammengefasst war es letztendlich doch ein schönes Wochenende auch wenn ich mich auf Hafenrundfahrt im Sonnenschein, Eisessen am Hafen und lecker Abendessen unter freiem Himmel gefreut hatte. Meine Cousine war happy und das war die Hauptsache. Dass ich ursprünglich im Garten Eier versteckt hatte habe ich ihr verschwiegen. Aus Zeitmangel hab ich immer nur einen Punkt auf die Eier gemalt und nach Blick in den Garten hätte ich die selber nicht wieder gefunden - ich denke die kommen beim Tau Wetter wieder zum Vorschein.
Fazit - Gäste werden für Außenaktivitäten nur noch ab Mai eingeladen, Eier bemalen nur noch mit Wasserfesten Farben und nie wieder Shoppen an Feiertagen. Mit geschwollenen Füßen, einem Schwips und neuen Kenntnissen über mein Laufverhalten mache ich es mir noch auf der Couch gemütlich.
Viele Grüße Eure Mia
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